Aus der Sächsischen Zeitung 10. September 2007

 

Neugier auf alte Gemäuer

Von Constanze Junghanß und Ines Igney

 

Rund 10000 Besucher haben am Sonntag den Denkmalstag in Görlitz und Umland genutzt, um Neues zu entdecken.

 

Zeitiges Kommen sichert gute Plätze. Getreu dieses Sprichwortes waren einige Besucher bereits eine Stunde vor der Eröffnung ihres Lieblings-Denkmals vor Ort. Vielleicht lag das zeitige Kommen aber auch am umfangreichen Programm, das während des Denkmalstages am Sonntag absolviert werden konnte. Immerhin öffneten rund 60 Gebäude ihre Türen, darunter, neben 27 Gotteshäusern, auch Bürger- und Handwerkshäuser. Eine blaue Fahne an jedem offenen Haus wies den Besuchern den Weg.

 

Rund zehntausend Menschen waren es, die sich in Görlitz und Umgebung auf die Spuren der Geschichte begaben. Jeder Einzelne durchschritt wohl etwa ein Dutzend offener Türen, schätzt Organisator Dietmar Ridder von der Unteren Denkmalschutzbehörde.

 

Görlitz

 

Besonders viele Neugierige kamen in die Predigthalle auf dem jüdischen Friedhof und ins Weinberghaus. In der ehemaligen Synagoge auf der Otto-Müller-Straße zählte Ursula Granget allein in den ersten zwei Stunden über 350 Besucher. „Ich bin beeindruckt von diesem Interesse“, sagte das Mitglied des Synagogen-Förderkreises. Persönlich begrüßte sie alle Gäste, denn „niemand soll sich hier verloren fühlen“. „Unter den Besuchern waren viele Auswärtige“, sagte Ridder. Auch viele Polen hätten die Möglichkeit genutzt, Denkmale westlich der Neiße kennen zu lernen.

 

Arnsdorf

 

In die Arnsdorfer Kirche zog es zum Denkmalstag außerhalb des Gottesdienstes etwa 20 Besucher. „Das ist der normale Durchgangsverkehr“, sagte Pfarrer Andreas Fünfstück. Das Gotteshaus ist an der Aktion „Offene Kirche“ beteiligt. Täglich von 8 bis 20 Uhr können Interessenten in der spätromanischen Saalkirche verweilen und auch einen Blick in die ehemalige Patronatsloge werfen. Dort ist die Fotoausstellung „Mein Garten Eden“ zu sehen.

 

Melaune

 

Zur „Alten Wassermühle“ in Melaune, die nach ihrer Sanierung am Freitag feierlich eingeweiht wurde, kamen 60 Besucher. „Es waren viele Leute da, die das Gebäude noch von früher kannten“, sagt Andreas Nedo. Der Bürgermeister von Vierkirchen zeigte sich mit der Resonanz zufrieden: „Der Heimatverein bereitete den Tag gut vor und bot Führungen durch das Gebäude an.“

 

Polen

 

Gut besucht waren die Gebäude in Polen, darunter die Kirche in Osiek Luzycki (Wendisch Ossig) und das Stift Joachimstein in Radomierzyce (Radmeritz). Das Interesse sei wohl so hoch gewesen, weil viele Görlitzer den Denkmalstag jedes Jahr besuchen und damit die meisten Gebäude in der Innen-, Alt- und Nikolaistadt inzwischen bereits kennen, sagte Ridder: „Sie sind und bleiben neugierig, etwas ganz Neues zu entdecken.“

 


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